Weiterhin vom Träger beabsichtigte Schließung des St. Josef Krankenhauses Neuerburg zum 30.Juni 2014

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Dreyer,

die Mitglieder des Fördervereins Marienhaus Klinik St.Josef  Neuerburg sind  von  der  beabsichtigten  Schließung des Krankenhauses konsterniert. Seit 16 Jahren begleitet der Förderverein – mit 17 Vereinen, 29 Ortsgemeinden sowie 390 Einzelförderern – das Geschehen um das Krankenhaus. Erhebliche Spendengelder sind in die Anschaffung wertvoller medizinischer Geräte investiert worden, so auch in den Jahren 2012 und 2013, insgesamt in 16 Jahren des Bestehens: ca. 140 000 Euro. Dabei ging es um Anschaffungen, die nicht im offiziellen Budjet realisierbar waren, deren Dringlichkeit aber gegeben war.

Das Krankenhaus Neuerburg, das die Franziskanerinnen von Waldbreitbach vor genau 60 Jahren übernommen hatten, befindet sich – auch wegen der dankenswerten Unterstützung des Landes – in hervorragendem baulichen Zustand.

Als Gründe für die beabsichtigte Schließung werden vom Träger, der Marienhaus GmbH, Waldbreitbach, immer wieder negative, wirtschaftliche Entwicklungen genannt: Mangelhafte Belegung Teure Honorarärzte Dazu möchten wir folgendes ausführen: Zu Zeiten des Umbaus des Krankenhauses Bitburg 2013, das mit Neuerburg im Verbund steht, gab es dort erhebliche Engpässe: Patienten wurden zu viert  und  zu fünft in Zimmern untergebracht, manche Patienten  standen von morgens 8 h bis nachmittags 17 h mit ihren Betten auf dem Gang. Eine Überweisung ins Krankenhaus Neuerburg wurde untersagt. In Bitburg gibt es 3 Innere Abteilungen, jeweils mit Chefärzten, 6 Oberärzten und Assistenzärzten ausgestattet, aber nach Neuerburg mussten nach dem Weggang des Internisten, Dr. Schubert, teure Honorarärzte eingestellt werden, eine Vertretung im Verbundkrankenhaus Neuerburg war wohl nicht gewollt.

Wir haben einfach den Eindruck, dass das Krankenhaus bewusst in die roten Zahlen gefahren wurde, um es dann schließen zu können. Warum wurde beispielsweise nicht über die schlechte Belegung informiert? Warum wurde nicht gemeinsam – auch mit uns – nach Alternativen gesucht, um die Belegung zu verbessern? Es gab z.B. die Anfrage eines Arztes, der 15 – 20 Betten für psychosomatische Behandlung suchte. Noch 2011 gab es auf der Inneren Station ein Plus von 300 000 Euro, die Weaning-Station – dort werden künstlich beatmete Patienten wieder an das Atmen gewöhnt – machte Überschüsse, die Station Phase F war mit 11 von 15 Plätzen belegt. Patienten haben sich, insbesondere beim Patientenfürsprecher, regelmäßig positiv und froh geäußert über die persönliche Betreuung und Pflege im überschaubaren, kleinen Krankenhaus. Auch über die ärztliche Betreuung war man froh und zufrieden.

110 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – darunter viele Teilzeitkräfte – wissen nicht, wie es weitergeht, auch wenn Angebote gemacht werden für Bitburg oder Gerolstein. Das würde für Teilzeitkräfte aus dem Raum Neuerburg – der sich bis zur Luxemburger Grenze erstreckt – bis zu 40 km Wegstrecke  bis Bitburg und bis 80 km Wegstrecke nach Gerolstein bedeuten, d.h. diese Leute verlieren ihre Arbeitsstätte, weil das für sie nicht machbar ist.

Der Neuerburger Raum braucht unbedingt die Möglichkeit der stationären Aufnahme und Versorgung. Rettungsfahrzeuge benötigten ansonsten bis zu 40 min bis Bitburg oder Prüm.

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, nicht nur im Koalitionsvertrag Ihrer Regierung in unserem Land Rheinland-Pfalz heißt es, dass großer Wert auf den Erhalt der Krankenhäuser auf dem Land gelegt wird. Immer wieder wird von Politikern aller Parteien betont, wie wichtig eine gleichwertige, medizinische Versorgung auch auf dem Lande ist. Studien besagen, dass in 10 Jahren kaum noch Hausarzt-Praxen im Neuerburger  Raum  bestehen.

Bei diesem Hintergrund ist der Erhalt  des Krankenhauses unabdingbar. Lediglich ambulante Versorgung reicht nicht: Neuerburg braucht stationäre Möglichkeiten. Der sehr tüchtige und beliebte Chirurg Dr. Ingvo Müller, der im Krankenhaus seine Praxis mit  14  Belegbetten hat, kann sich in Neuerburg ohne Belegbetten und der entsprechenden Infrastruktur des Krankenhauses nicht halten. Was ist mit der Phase F – zur Zeit mit 12 Patienten belegt – wenn es in Neuerburg  sonst  keine stationären Möglichkeiten  gibt – Ärzte, Pflegepersonal, Versorgung bis hin zur Küche? Bis zu 300 Schüler des Schulzentrums werden z.Zt. mit Essen aus der Krankenhausküche versorgt.

In seiner letzten Sitzung am 11.März 2014 äußerte auch der Seniorenbeirat des Kreises Bitburg-Prüm sein Befremden über eine drohende Unterversorgung des Westteiles unseres Kreises. Neuerburg steht exemplarisch für das Problemfeld „Ländlicher Raum“. Es darf nicht sein, dass die medizinische Versorgung des ländlichen Raumes nur unter wirtschaftlichen Aspekten gesehen wird. Die Stärkung des ländlichen Raumes muss die Devise sein, nicht eine weitere Schwächung.

Am 18.März 2014 fand eine eindrucksvolle Demonstration von 700 Teilnehmern vor dem St.Josef Krankenhaus Neuerburg statt. Überwiegend kamen die besorgten Bürger und Bürgerinnen – sogar viele Jugendliche – aus den Orten rund um Neuerburg, bis hin nach Irrel und Arzfeld. Der Südwestfunk berichtete in der Abendschau. Leider fehlten die überregionalen Politiker. Hier ist aber besonders die Kommunal- und Landespolitik gefordert. Nach der Überzeugung des Vorstandes des Fördervereins Krankenhaus St.Josef Neuerburg muss ein Konzept gemeinsam mit dem Land, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Leistungsträger, z.B. AOK, der Hausärzte, des Marienhaus-Klinikums Eifel, der Stadt  und VG Neuerburg erarbeitet werden. Entscheidend ist: Wie kann eine ausreichende und zweckmäßige ambulante, stationäre und pflegerische Versorgung der Patienten in der Region Neuerburg – dazu gehören auch Irrel und Arzfeld – sichergestellt werden. Ebenfalls sollten Überlegungen zu einem Verbund  mit Luxemburg, z.B. dem Krankenhaus Ettelbrück, ähnlich wie  schon zwischen den Krankenhäusern Prüm und St.Vith (Belgien), angedacht werden.

Wir sind sicher, dass es einen Weg für die Erhaltung unseres Krankenhauses geben muss. Wir bauen auch in besonderer Weise auf Sie.

Verteilerliste:
Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer
Frau CDU Vorsitzende Julia Klöckner
Herrn Diozesanbischof Dr. Stephan Ackermann
Herrn Staatsminister des Innern, für Sport und Infrastruktur Roger Lewentz
Herrn Staatsminister für Gesundheit und Soziales Alexander Schweitzer
Frau Staatsministerin Ulrike Höfken
Herrn Bundestagsabgeordneter Patrick Schnieder
Herrn Landtagsabgeordneter Michael Billen
Frau Landtagsabgeordnete Monika Fink
Herrn Landrat Dr. Joachim Streit
Herrn Bürgermeister Norbert Schneider
Herrn Bürgermeister Moritz Petry
Herrn Bürgermeister Andreas Kruppert
Frau Stadtbürgermeisterin Anna Kling
Herrn Dr. Ingvo Müller
Frau Ingrid Lenz, Pfarrgemeinderat Neuerburg
Förderverein der Marienhausklinik St.Josef Neuerburg
Mitarbeitervertretung der Marienhausklinik Neuerburg

Volles Haus und erhitzte Gemüter

Auf Initiative des Fördervereins des St.-Josef-Krankenhauses Neuerburg wurde die 1. Informationsveranstaltung in der Stadthalle am 17.02.2014 bezüglich der Schließung des Krankenhauses zum 30.06.2014 durchgeführt.

Vertreter der Marienhaus GmbH Waldbreitbach sowie die Geschäftsführung der Verbundkrankenhäuser Bitburg waren vor Ort. Der Marienhaus GmbH wir vorgeworfen , das Haus bewusst heruntergewirtschaftet zu haben.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Willi Ahlert, eröffnete die Veranstaltung und konnte neben den Vertretern der Marienhaus GmbH Waldbreitbach, Dr. Günter Merschbächer und Geschäftsführer Michael Osypkar, die Mitarbeiter des kaufm. Direktoriums Bitburg H. Krämer und Krankenhausoberin H. Beck so wie J. Marmann und den ärztl. Leiter Prof. Dr. Blöchle der Marienhauskliniken Bitburg,  Landrat Dr. Joachim Streit, Stadtbürgermeisterin Anna Kling, Vertreter aus der Kommunalpolitik Mdl. Billen, die Vertreter der VG Neuerburg, die VG-Bürgermeister der VG Arzfeld und Irrel, verschiedene Ärzte, MAV, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertreter des Fördervereins, Patientenfürsprecher sowie über 500 Bürgerinnen und Bürger aus dem Neuerburger Land begrüßen.

Durch das Programm wurde gekonnt durch Herrn Eiswirth, geführt. Im Anschluss hieran informierten die Vertreter der Marienhaus GmbH über die derzeit aktuellen Schließungsgründen.

Belegarzt Dr. Ingvo Müller informierte über die Art und Weise des Träger hinsichtlich der plötzlichen Schließung so wie die derzeitige Belegsituation und Behandlung der Patienten, die erheblich von den Angaben der Marienhaus GmbH abweicht. Ebenfalls sprach er an: Die Schließung sei gewollt gewesen. Schon vor 3 Jahre hätten Ärzte den Träger intern auf mögliche finanzielle Probleme hingewiesen.

Stadtbürgermeisterin A. Kling wies bei verschiedenen Einwänden mehrmals daraufhin, dass das Krankenhaus mit der Grundversorgung unverzichtbar für Neuerburger und das Umland ist. Sowohl im Bezug auf die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger wie aber auch auf die wichtigste Infrastruktureinrichtung.

Landrat Dr. Joachim Streit, KV Bitburg-Prüm, wies ebenfalls auf die hohe Bedeutsamkeit der Einrichtung hin und teilt mit, dass seitens des Eifelkreises entsprechende Mittel für eine Untersuchung hinsichtlich weiterer Nutzung bzw. Wirtschaftlichkeit durch ein unabhängiges Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Seitens des Fördervereins wies Elmar Gierenz in einem Leserbrief daraufhin, dass Ideen und Konzepte bewusst abgeblockt wurden, obwohl bekannt war das leere Räume bzw. 1 Station hiervon betroffen sei und der Träger weiterhin in seiner Pflicht steht.

Es fand eine offene Diskussionsrunde statt, indem seitens der Bürgerschaft Fragen an die Vertreter der Marienhaus GmbH gestellt wurden. U.a. wurde auf die Holzhammermethode, medizinisch schlechte Versorgung des Neuerburger Landes, die Notwendigkeit eines Krankenhauses in der Nähe von Pflegeheimen, größeren Schulzentren in Neuerburg und Biesdorf, etc..lange Entfernungswege zu den nächsten Krankenhäusern nach Bitburg-Prüm, teilweise über 40 km und dies im Winter bei Schnee und Eis, hingewiesen.

Es wurde ein deutliche Apell gerichtet: „Lassen Sie den Termin fallen!"

Vertreter des Fördervereins sowie Politiker kritisierten, dass die Marienhaus GmbH im Alleingang und ohne jegliche Vorwarnung beschlossen habe, das Krankenhaus zum 30.06.2014 zu schließen, möglichen Alternativen für die Zukunft der medizinischen Versorgung rum um Neuerburg müssten jetzt unter unnötigem Zeitdruck gesucht werden.

Im Anschluss informierte der Vorsitzende nochmals über die bisher stattgefundenen Gespräche so wie den neu eingerichteten „runden Tisch" hinsichtlich der zukünftigen medizinischen Versorgung im Krankenhaus Neuerburg, anstehende Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten so wie der Gründung der Arbeitsgruppe „Initiative unser Krankenhaus (IuK)" einer  Ideensammlung für die Erstellung eines Nutzungs-Konzeptes für die weitere Nutzung.

Das zweite Informationsgespräch soll in ca. 6 Wochen nochmals unter Beteiligung der Bevölkerung stattfinden.

In der Pflicht stehen auch die Poltik und die Krankenkasse, so Anna Kling, Stadtbürgermeisterin.

Für Fragen und Anregungen zum Erhalt des Neuerburger Krankenhauses, die in die nächste Diskussionsrunde einfließen, hat die Stadt eine E-Mail-Adresse eingerichtet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wir werden alles Versuchen auch weiterhin eine Grundversorgung rund um die Uhr in Neuerburg sicherzustellen.

Ihr Förderverein des St. Josef-Krankenhauses Neuerburg

Seite 4 von 9

Free business joomla templates